Gleiches Produkt, andere CO₂-Zahl: den richtigen Emissionsfaktor wählen
Zwei Firmen stellen exakt dasselbe Produkt her und veröffentlichen ihre CO₂-Bilanz — die eine nennt 4, die andere 11 kg CO₂e. Wer lügt? Oft keiner. Der Unterschied liegt nicht in der Zahl selbst, sondern in der Wahl des Emissionsfaktors dahinter. Das ist der am wenigsten verstandene, aber entscheidendste Punkt der CO₂-Bilanzierung.
Was ein Emissionsfaktor ist und warum er variiert
Die Grundlage ist einfach: Emissionen = Aktivitätsdaten × Emissionsfaktor. 1.000 kWh Strom mit einem Faktor multiplizieren. Das Problem: „den” einen Faktor gibt es nicht. Für dieselbe Aktivität variiert er nach:
- Quelle: IEA, DEFRA, EPA, IPCC und nationale Quellen (ETKB in der Türkei) liefern für dasselbe unterschiedliche Werte.
- Geografie: Der Stromfaktor hängt vom Energiemix eines Landes ab; ein kohlelastiges und ein erneuerbarenlastiges Netz können sich um das Mehrfache unterscheiden.
- Jahr: Ein Netz wird jedes Jahr sauberer oder schmutziger; ein alter Faktor bildet das Heute nicht ab.
- Systemgrenze: Deckt der Faktor nur die Verbrennung oder auch Förderung und Transport des Brennstoffs (Well-to-Tank)?
- Basis: Netto- (NCV) oder Brutto-Heizwert (GCV)? Standort- oder marktbasiert?
Eine einzige falsche Wahl — falsches Land, veraltetes Jahr, fehlende Grenze — verzerrt das Ergebnis systematisch. Und das ganz ohne böse Absicht.
„Niedrig wirken” ist leicht
Hier die subtile Form des Greenwashings: keine glatte Lüge, sondern den Faktor wählen, der am besten passt. Wer die Quelle mit der niedrigsten Zahl, das günstigste Jahr oder die engste Grenze wählt, kann technisch „auf Basis einer Quelle” einen niedrigen Wert erzeugen. Die Zahl ist nicht gefälscht — aber die Wahl ist nicht belastbar. Fragt ein Prüfer oder der EU-Zoll „warum dieser Faktor?”, bricht eine Zahl ohne Antwort zusammen.
Was eine belastbare Berechnung erfordert
Der richtige Weg ist nicht die „schönste Zahl”, sondern der repräsentativste Faktor, transparent gezeigt:
- Hierarchie: Zuerst lieferanten-/standortspezifische Echtdaten; dann ein nationaler/regionaler Faktor; ein Default-Faktor (IPCC) nur als letzte Option.
- Repräsentativität: Das richtige Land und das aktuellste verfügbare Jahr.
- Konsistenz: Grenze und Basis (NCV/GCV, Standort/Markt) über die Jahre gleich halten.
- Herkunft (Provenance): Quelle, Jahr, Geografie und Einheit jedes Faktors ausweisen.
Wie wir es machen
Bei RecoChainAI reist ein CO₂-Ergebnis nie allein; es trägt die Herkunft des verwendeten Emissionsfaktors — Quelle, Jahr, Land und Einheit. Die Berechnung ist deterministisch: gleiche Eingabe und gleicher Faktor ergeben stets dasselbe Ergebnis, versiegelt in einem kryptografischen Beleg. Unsere Zahl ist also eine, von der wir sagen können „sie kam von hier” — die ein Prüfer Schritt für Schritt nachvollziehen kann.
Über die CO₂-Wahrheit entscheidet nicht die veröffentlichte Zahl, sondern die Faktorwahl dahinter. Wir machen diese Wahl sichtbar und belastbar — denn eine CO₂-Zahl, die Sie nicht verteidigen können, ist riskanter als gar keine.
Machen Sie Ihre Carbon-Daten unanfechtbar.
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